D-Lieferwagen L-7: Chassis nieten Die Ausgangslage Das Chassis für einen D-Lieferwagen L-7 sollte detailgetreu und nach altem Vorbild gebaut werden. Alle Verbindungen waren genietet, daher kamen für mich Schrauben nicht in Frage! Werkzeuge und Wissen Heute beherrscht kaum noch jemand die Kenntnisse oder Erfahrung im Setzen von Vollnieten. Auch die entsprechenden Pressluft-Niethämmer sind schwer zu finden. In allen angefragten Werften und Lokomotiven- oder LKW-Reparaturwerkstätten ist das Nieten zwar noch ein Begriff, doch die Werkzeuge sind zu gross oder bereits entsorgt. Zuerst habe ich Versuche mit einem pneumatischen Abbauhammer der Armee gemacht. Die Schlagkraft war aber so gross, dass es die Chassisteile verbogen und beschädigt hätte und vorher der Werkstattboden gebrochen wäre. Nach entsprechender Suche konnten aber gute Werkzeuge aus einem ehemaligen Flugzeugwerk in Rumänien beschafft werden. Diese waren für Niete bis 6mm geeignet, später folgte noch ein Niethammer aus den USA für die 8mm Niete. Billiges Werkzeug und pneumatische Meisselhämmer sind nicht unbedingt geeignet, da diese oft eine zu hohe Schlagzahl und zu wenig Energie pro Schlag haben. Alle Gegenhalter und Blechschliesser wurden selber hergestellt. Eine schwere Unterlage (Masse) und entsprechende Spannmittel sind unabdingbar. Federn die Teile nur minimal, ist eine feste Verbindung nicht möglich. Das theoretische Wissen kann man sich in alten Mechaniker-Büchern und im Internet aneignen. Bevor man sich am guten Stück auslebt, sind Versuche mit verschiedenen Blechen und Nietdimensionen unerlässlich. Zum Glück sind am D-Lieferwagen hauptsächlich 6 und 8 mm Niete vorhanden, die kalt verformt werden. Dies macht den Nietvorgang wesentlich einfacher. Kleine Teile habe ich im Schraubstock genietet; mit der Folge, dass dieser nach ein paar Tagen in zwei Stücke zerfiel. Dies zeigt die enorme Schlagkraft der Pressluftwerkzeuge! Für alle grossen Teile und den Zusammenbau des Chassis wurde ein über 400kg schwerer Gusstisch mit T-Nuten verwendet. Darauf konnten die Werkzeuge und das Chassis für jeden Nietvorgang neu aufgespannt werden. Der Nietvorgang Bevor der Rahmen genietet wurde, habe ich die einzelnen Teile und Holmen verschraubt. Dies gibt dem Chassis von Anfang an die richtige Form und eine gewisse Stabilität beim Nietvorgang. Schraube um Schraube wurde dann durch einen Niet ersetzt. Die allgemeine Regel für die Schaftlänge lautet «1.15 x Schaftdurchmesser». Dies stimmt aber nur bedingt, denn die optimale Länge ist vom Nietmaterial und von der Schlagkraft des Hammers abhängig und wird am besten durch Versuche festgelegt. Aus diesen Versuchen ergaben sich Längen, welche auf kleine Hülsen entsprechender Länge übertragen wurden. Hier wird eine solche Hülse zum Anzeichnen mit einer Reissnadel auf den Niet aufgesetzt. Der Niet wird dann auf die angerissene Länge gekürzt. Der gekürzte Niet wird in die Bohrung eingeführt. Der Setzkopf (= vorhandener Kopf) wird auf den Gegenhalter gelegt und der Gegenhalter wird mit Spannpratzen auf den Tisch geschraubt. Das Chassis wird nun auch positioniert und auf den Tisch gespannt. Mit Hilfe des Nietziehers werden die Bleche flächig zueinander gebracht. Nun erfolgt der eigentliche Nietvorgang. Der Presslufthammer wird auf den Niet gesetzt und feinfühlig betätigt. Etwas altes Motorenöl ergibt einen schöneren Kopf. Natürlich ginge dieser Arbeitsschritt auch mit dem Ballhammer von Hand – aber nicht bei über 300 Nieten... Hier sieht man bereits eine Verformung des Schaftes. Durch die Verbreiterung des Schaftes füllt der Niet die Löcher vollständig aus und die Verbindung ist besser als geschraubt. Manchmal kann es sinnvoll sein, erneut den Nietzieher zu verwenden, damit die Bleche und der Setzkopf wirklich richtig aufeinanderliegen. Der Schliesskopf wird nach und nach geformt. Nachprüfen und Korrigieren sind am Anfang notwendig, um einen schönen Kopf zu erhalten. Die fertige Nietverbindung. 29. Dezember 2015 © Peter Stöcklin
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