Ein Kapitel vom Weichlöten Quelle: MOTORRAD SPORT VERKEHR U. TECHNIK, 28. Dezember 1929 Es gibt heute immer noch manchen Motoristen, der sich von der Lötkunst eine ganz falsche Vorstellung macht und sie für viel komplizierter hält, als sie es in Wirklichkeit ist. Hat er sich aber erst einmal damit beschäftigt, so wird er bald einsehen, wie ein-fach der Lötvorgang ist und wie sich sein Unkostenkonto durch die selbstausge-führten kleineren Reparaturen ganz erheblich vermindert. Gewöhnlich artet sogar diese Kunstfertigkeit noch in Leidenschaft aus und es werden mitunter die unmög-lichsten Gelegenheiten zum Löten ausfindig gemacht. Man versteht nun unter Lö-ten im allgemeinen die Verbindung zweier Metalle durch ein drittes, leichter schmelzbares Metall, das sogenannte Lot, das bis zu einem gewissen Grade die zu verbindenden Metalle durchdringt und sich mit ihnen vereinigt. Unterschieden wer-den das am häufigsten vorkommende Weichlöten und das an schwer schmelzba-ren Metallen angewandte Hartlöten. Das Weichlöten wenden wir hauptsächlich da an, wo es sich um die Verbindung von Eisenblechen (zuvor verzinnen!), Kupfer, Messing, Zink, Zinn und Blei handelt, und um Lötstellen, die im Gebrauche nicht zu starker Hitze ausgesetzt sind, da ja somit die Gefahr besteht, dass das Lot wieder schmilzt. Die Dinge, die wir dazu be-nötigen, sind schnell aufgezählt. Es sind dies ein Lötkolben, ein Salmiakstein, Löt-wasser, oder als Ersatz dafür Lötfett oder Lötwachs und Lötzinn. Als Lötkolben, der so klein, wie nur möglich sein soll, dient gewöhnlich ein Kupferklumpen mit abge-rundeter Spitze, der an einem Stiel befestigt ist, z. B. wie Abb. 1 zeigt. Statt Kupfer kann man natürlich auch noch anderes Metall wählen, doch eignet sich Kupfer, seiner guten Leitfähigkeit wegen, ganz besonders dafür. Hat man einen sehr klei-nen Kupferkolben und will ihm etwas länger heiss halten, als er es normal bleibt, so umwickle man ihn mit blankem Kupferdraht, und zwar in recht zahlreichen Win-dungen. Abb. 1 Lötkolben. Erwärmt wird der Kolben, je nachdem was gerade zur Verfügung steht, in einem Kohlenfeuer, mit einem Benzin-, einem Spiritusgas-, oder einem Bunsenbrenner, oder aber direkt durch die ihm ständig umgebende Flamme bei den sogenannnten Benzin-, Petroleum-, Gas- und Spirituskolben, bei denen die betreffenden Hit-zespenderinnen gleich mit dem Kolben zusammen montiert sind. Hat man in seiner Werkstatt allerdings elektrischen Anschluss, so sei hierfür der elektrische Lötkolben empfohlen, dessen Stromverbrauch sehr gering ist und den einer grösseren elektri-schen Birne kaum überschreitet. Häufig kommt es auch vor, dass man mit dem Kol-ben schlecht an die zu lötenden Stellen herankommen kann, oder aber, dass der Kolben für feinere Arbeiten zu plump ist. In diesem Falle setzt man die Lötstellen der Stichflamme einer Gas-, Petroleum-, Spiritus- oder Benzinlötlampe (Abb. 2) aus, nachdem man die Stellen zuvor mit Lötpaste, die das Lötgut in feinverteilter Form enthält, bestrichen hat. Sobald das Zinn oder Lötpaste fliesst, entfernt man die Flamme, das Zinn dringt in die Fugen ein, und bindet beim Erkalten die Lötstellen fest. Eine weitere einfache Lötlampe kann man sich leicht aus einer Karbidlampe herstellen, indem man den Brenner abnimmt, einen Gummischlauch von ungefähr ¾ m Länge aufsetzt, an dessen anderem Ende der Brenner, unter Zwischenschal-tung eines 15 cm langen Messing oder Glasröhrchens, zu sitzen kommt. Das Zwi-schenröhrchen verhindert das Verbrennen des Gummischlauches. Der Brenner selbst wird auf das Glasröhrchen gasdicht aufgesetzt oder ausgekittet, bei Verwen-dung eines Metallröhrchens in dasselbe eingeschraubt und mit Werg und Mennige abgedichtet. Als Stichflamme kommt hierbei nur der bläuliche, nichtrussende Teil in Frage. Den Salmiakstein gebrauchen wir zur Reinigung des Kolbens vor jeder Lötung. Hierzu nehmen wir den erwärmten Kolben in die rechte und eine Stange Lötzinn in die linke Hand, streichen den Kolben auf dem vor uns liegenden Stein unter Zuga-be von Lötzinn hin und her, so dass die Schneide geputzt und verzinnt wird. Dies geschieht solange, bis die Schneide ein silberiges Aussehen erhalten hat und kei-ne schwarzen Stellen mehr aufweist. Ist der Kolben zu stark erhitzt worden, so dass er verbrannt ist, so muss die Schnei-de erst blank gefeilt werden, bevor sie mit Salmiak eingerieben wird. Durch dieses Reinigen oder Verzinnen der Schneide wird das leichte und das Löten hindernde Oxydieren des Kupfers beseitigt, in dem man es mit einer schweren oxydierbaren Schicht überzieht. Zweckmässig bewahrt man den Salmiakstein in einer verzinnten Blechschachtel auf. Ein Mittel zur Reinigung und Reinhalten der Lötstellen finden wir im Lötwasser. Durch Verbindung des Sauerstoffes der Luft mit den zu verbin-denden Metallen bildet sich eine Oxydschicht, die sich beim Erwärmen noch ver-grössert und das Löten vollkommen hindert. Das Lötwasser, gewöhnlich eine Lö-sung von Zink und Salzsäure mit oder ohne Zusatz von Salmiak, hat nun die Auf-gabe entweder dem Oxyd den Sauerstoff zu nehmen, oder aber der Luft den Zutritt zu versperren und neue Oxydbildung zu verhindern. Selbstverständlich muss erst ein mechanisches Säubern der Lötstellen durch Kratzen oder Feilen vorangegan-gen sein. Das Lötwasser ist sehr einfach herzustellen, indem man z. B, Zinkschnit-zel in Salzsäure auflöst, und zwar soviel, als die Salzsäure aufzulösen vermag. Vor-teilhaft wird diese chemische Prozedur in einem irdenen Krug und in frischer Luft ausgeführt. Nach Beendigung des Sprudelns siebt man die Lösung durch einen Musselinlappen und füllt sie in eine saubere Flasche mit der Etikette „Gift". Die Salzsäureflasche selbst bewahre man am besten in einer zweiten Glasbüchse auf, damit das Verdunsten der Salzsäure nicht das Rosten der umliegenden Eisenteile und das Blindwerden vernickelter Teile nach sich zieht. Schliesslich sei noch für blankes Messing oder Weissblech Kolophonium genannt, das allerdings nicht ge-rade im Gerüche eines guten Geruches steht.   Das wichtigste zum Löten ist nun das Lot selber. Am gebräuchlichsten sind die Le-gierungen von Zinn und Blei in den verschiedensten Zusammensetzungen und dementsprechend mit höheren oder niederem Schmelzpunkt. Bei einer Legierung z. B. 10 Gewichtsteilen Zinn und 4 Gewichtsteilen Blei liegt der Schmelzpunkt bei 180°, bei 7:3 bei 210° und bei 1:2 bei 240°. Die Verwendung von reinem Zinn ist weniger empfehlenswert, da es erstens teurer und dann auch schwerer schmelzbar ist. Leichter schmelzbarere Lote erhält man durch Zusatz von Wismut (teurer!) und Kadmium. Hierbei liegt der Schmelzpunkt z.B. bei einem Verhältnis von Zinn, Blei, Wismut, Kadmium, wie 4:8:15:3 schon bei 70° oder bei Zinn, Blei, Wismut, wie 3:5:8 bei 95°. Ein sehr gutes Schmelzlot mit einem Schmelzpunkt von 149° ergibt z. B. das Verhältnis Blei, Zinn, Kadmium wie 2:4:2. Man sieht also, wie mannigfaltig die Auswahl der Lote ist. Will man sie selbst herstellen, so muss man die einzelnen Be-standteile in verschiedenen Schmelztiegeln flüssig machen und im flüssigem Zu-stande zusammengiessen. Würde man versuchen, alle Teile in einem Tiegel zu schmelzen, so käme keine richtige Mischung zu Stande, da ja das eine oder andere Metall viel früher schmilzt. Erwähnt seien auch noch die Lötmittel, die alle Funktio-nen des Lötzinnes und des Lötwassers in sich vereinen z, B. Fludor, Tinol und Löt-Blitz, die gewöhnlich in Pastenform im Handel sind. Beim Löt-Blitz ist nicht einmal ein Kolben erforderlich, da häufig schon ein Streichholz genügt, um haltbare Lö-tungen herzustellen. Nun zum Löten selbst. Hierbei wäre vor allem zu sagen, dass eine gute Lötung nur bei grosser Sauberkeit möglich ist. Die Lötstellen werden erforderlichen Falles zu-erst mit der Feile, dann mit Schmirgelpapier gut gereinigt und mit einem trockenen Lappen abgewischt. Jetzt dürfen sie mit den Fingern nicht mehr berührt werden. Inzwischen wurde der Kolben erwärmt und wie vorhin erwähnt auf dem Salmiak-stein geputzt und verzinnt. Nachdem die Lötstellen mit Lötwasser bestrichen worden sind, fährt man auf ihnen die verzinnte Kolbenschneide unter Zugabe neuem Lo-tes, unter nicht zu heftigem Drucke hin und her, so dass das flüssig gewordene Lot in die Metallteile eindringen kann. Ist der Kolben zu kalt geworden, was man beim Hin- und Herstreichen spürt, so muss er unbedingt wieder neu erwärmt und geputzt werden. Nach Beendigung der Lötung entfernt man die Überreste des Lötwassers gut mit einem Lappen, damit sich das Lötwasser nicht in die Lötstelle einfressen kann und sie wieder zerstört. Zum Schlusse wollen wir noch einige der gebräuchlichsten Weichlötarbeiten am Motorrade vornehmen: Das Einsetzen eines neuen Bowdenkabels geschieht z. B. wie folgt. Das alte Kabel wird abgenommen, der Nippel mit einer Zange abgezwickt und das Kabel herausgezogen. Es dient dann nur noch zur genauen Fixierung der neuen Kabellänge. Aus Gründen, die nachher verständlicher werden, machen wir das Kabel allerdings etwa 3 mm länger, so dass es aus jedem Nippel ungefähr 1,5 mm übersteht. Hat man so die erforderliche Länge festgestellt, so bestreiche man von der Abzwickstelle aus das Kabel etwa 6 mm lang mit Lötwasser, erwärme den Kolben, presse ihn gegen das Ende einer Lötstange, so dass etwas Lötzinn aufge-nommen wird und drücke den Kolben auf die Lötstelle, bis das Lot in den Kabel-draht fliesst. Das wird so oft wiederholt, bis alle Zwischenräume mit Lot ausgefüllt sind, worauf man mit einem Lappen allen überflüssigen Lötzinn und Lötwasser ent-fernt. Das Lötzinn erhärtet sehr schnell, so dass man das Kabel bald an dieser Stel-le mit einer scharfen Zange abzwicken kann. Ist die Zange zu stumpf, so lösen sich gerne wieder die einzelnen Drähte. Um die alten Nippel wieder benutzen zu kön-nen, werden sie mit einer Zange festgehalten und gegen den heissen Kolben ge-drückt. Dadurch schmilzt das alte Lot, und die Drahtenden können z. B. durch Klop-fen auf dem Schraubstock leicht herausgenommen werden. Nachdem man das Nippelinnere gut mit einem alten Messer gereinigt hat, bestreiche man das Drah-tende mit Lötwasser, wieder etwa 6 mm lang, streife den Nippel über dieses Ende, bis es 1,5 mm übersteht und tupfe noch etwas Lötwasser in den Nippel. Der Draht wird dabei mit der Zange so gehalten, dass der Nippel auf den Schraubstockwan-gen ruht. Der Kolben wird erhitzt, in Lötwasser getaucht, die Spitze mit Lötzinn überzogen und so gegen den Nippel gedrückt, dass das Lötzinn am Draht herunter-fliessen kann. Wird der Kolben entfernt, so erhärtet sich das Lot und der Nippel ist mit dem Kabel festverbunden (s. Abb. 3). Jetzt spreizen wir die überstehenden Drah-tenden mit einem alten aber sauberen Messer radial auseinander, drücken sie nach innen, betupfen wieder mit Lötwasser und füllen den Kopf mit Lötzinn aus. Abb. 4 Lötstelle an einem Kabelende. Beim Anlöten des konischen Endstückes an ein Benzinröhrchen wird zuerst das Endstück immer mit einem alten Messer oder Schmirgel gut gereinigt, dann das Rohrende mit Lötwasser bestrichen und etwas Lötzinn aufgetragen. Bevor das Löt-zinn hart wird, überfahre man die Stelle vorsichtig mit einem sauberen Lappen, so dass nur ein dünner Lotübergang zurückbleibt. Ähnlich verfahren wie mit dem ko-nischen Endstück, bei dem man mit dem Kolben allerdings nicht ins Innere kann. Man lasse daher nur etwas Lot einfliessen und fahre mit einem trockenen Lappen, der über ein passendes Stäbchen gelegt ist, vorsichtig im Inneren herum, so dass auch hier nur ein dünner Überzug bleibt. Dann lege man das konische Endstück, wie Abb, 4 zeigt mit der Innenseite nach oben, passe das Röhrchen ein und lasse etwas Lot auf die Verbindungsstellen träufeln. Allerdings, an Rohren, welche vom Tank zum Vergaser führen, sollte man die Nip-pel stets „hart" einlöten. Wie man das Ende einer Kabelöse mit einem dichten guten Lötüberzug versieht, ist leicht verständlich aus Abb. 5 zu ersehen.
Klicken Sie auf das grosse Bild oben, um dieses noch grösser anzeigen zu lassen.