Der selbstgebaute Seitenwagen
ÜBER die Zweckmässigkeit eines Seitenwagens gehen die Meinungen heute immer noch weit auseinander, wenigstens in der Reihe der Fahrer. Befragt man dagegen den Sozius und ganz besonders den weiblichen Sozius über diese Angelegenheit, so hört man fast übereinstimmend, dass es im Seitenwagen viel hübscher und vor allem nicht so anstrengend sei. Ausserdem sprechen noch eine Reihe anderer Vorteile für ihn, so dass er sich einer immer grösseren Beliebtheit erfreut.
Gar mancher hat nun einen Seitenwagen älteren Datums, der nicht mehr so ganz anspricht, mancher hat aber auch nur noch das nackte Fahrgestell, während ihm der Seitenwagen seihst im Gedränge des Verkehrs oder sonstwie abhanden gekommen ist. All diesen Betrübten und Wehklagenden sei im folgenden eine Konstruktion gezeigt, nach der sich ein verzweifelter Motorradfahrer, der sich in ähnlicher Situation befand, einen schnittig ausschauenden und gar nicht zu teuren Seitenwagen gebaut hatte.
Vorausgeschickt sei, dass die aus der Skizze ersichtlichen Abmessungen natürlich nicht für jeden Fall gelten können, sondern dass stets die jeweiligen Verhältnisse berücksichtigt werden müssen. Es empfiehlt sich daher, nach Festlegung der Hauptabmessungen eine Zeichnung anzufertigen, aus der sich sodann alle Einzelheiten von selbst ergeben. Als Form wird eine sich nach vorn und hinten verjüngende gewählt mit achteckigem Querschnitt. Das Gestell (Abb. 1) besteht aus vier achteckigen und zusammengesetzten Spanten, zwei abgerundeten Endstücken und acht Holmen, die die Spanten untereinander und mit den Endstücken verbinden. Wie Abb. 2 zeigt, ist jeder der Spanten aus acht Einzelleisten von der Grösse 20x25 mm zusammengesetzt, und zwar einfach verblattet und durch drei Schrauben befestigt. Die Ecke selbst ist zur Aufnahme der Holme eingekerbt. Zur Befestigung der Holme auf den beiden Endstücken sind letztere auf der der Nase ab. gewandten Seite ein kurzes Stückchen ab. gesetzt, damit ein guter Uebergang zu den beplankten Flächen entsteht. Das Zusammensetzen des Gestelles und besonders das Parallelhalten der Spanten ist etwas schwierig, man kann sich unter Umständen auch so helfen, dass man quer auf die einzelnen Spanten Holzleisten nagelt, die in ihren Mitten je ein Loch zur Aufnahme und Verteilung einer Stange vom selben Durchmesser haben. Hat man so die genauen Abstände der Spanten untereinander fixiert, so kann man die acht aus Eschenholz von 20 mm Stärke bestehenden Holme in die entsprechenden Einkerbungen der Spanten legen und versenkt anschrauben. Damit die Holme ihre gewölbte Lage leichter beibehalten können, empfiehlt es sich, das Gestell einige Tage lang auf der Stange verkeilt zu lassen. Hierauf werden die überstehenden Holmenden auf die Endstücke, die, wie schon oben erwähnt, abgesetzt und an diesen Stellen achteckig sind, ebenfalls versenkt angeschraubt.
Das Gerippe des Seitenwagens wäre somit fertig. Durch Herausschneiden der drei oberen Holmstücke zwischen den beiden hinteren Spanten schaffen wir noch genügend Platz zum Einsteigen und bequemen Sitzen, befestigen die 6 bis 7 mm starken Bodenbretter und können nun mit der Beplankung des Wagens mit Sperrholz beginnen. Auf diese äusserliche Arbeit ist grösste Sorgfalt zu legen, da es auch hier genau wie im sonstigen Leben auf Aeusserlichkeiten sehr viel ankommt. Die einzelnen Sperrholzplatten werden aufgeleimt und vernagelt, wobei zu beachten ist, dass ein dick aufgetragener Leim gleichzeitig die Wetterbeständigkeit des Seitenwagens erhöht. Es folgen noch der Einbau eines gut gepolsterten Sitzes, das Anbringen eines aufklappbaren Deckels am hinteren Ge
stell, so dass dieser Teil als Werkzeugoder als sonstiger Behälter verwendet werden kann, und die übrigen notwendigen Zubehörteile. Auch eine klappbare Windschutzscheibe lässt sich leicht anbringen, so dass für alle Bequemlichkeiten gesorgt ist.
Die Befestigung des Wagens richtet sich natürlich ebenfalls nach der Art des vorhandenen Fahrgestells. Unsere Skizzen setzen die üblichen C-förmig gebogenen Federn voraus, wobei Abb. 3 die hintere und Abb. 4 die vordere Aufhängung zeigt. Bei der ersteren wird ein Schmiedestück von der Stärke 40x12 mit zwei seitlichen Lagerstellen direkt am hinteren Spant befestigt, während bei letzterer meist noch
ein dem Wagen angepasstes Zwischenstück notwendig ist.
Beim Anstrich kann man sich vollkommen nach seinem persönlichen Geschmack richten; will man seiner Frau aber besonders schmeicheln, so wähle man natürlich die Farbe, die sie am besten kleidet. Ein lediger Fahrer dürfte hierauf allerdings keine Rücksicht nehmen (sonst könnte es ihm vielleicht passieren, dass er seinen Wagen alle acht Tage neu anzustreichen hätte).
Zum Schlusse sei noch erwähnt, dass statt Sperrholz natürlich auch Metallplatten verwendet werden können.

Und nun auf in die Natur mit dem rassigen Seitenwagen.
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