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Januar 2020 - Grosse Schrauben - kleine Schrauben

Seine Arbeitszeit verbringt Klaus Wildmann überwiegend im Keller. Zwei riesige unterirdische Hallen, ohne Tageslicht aber hell erleuchtet sind sein Arbeitsplatz. In jeder dieser Hallen stehen drei gewaltige Pumpen, von denen jede 2.000 bzw. 3.000 Liter Wasser pro Sekunde vom Bodensee ins Wasserwerk auf dem Sipplinger Berg fördern kann. Klaus Wildmann hat Bauschlosser gelernt und kam 1990 zur Bodensee-Wasserversorgung. Maßarbeit in der Metallbearbeitung ist seine Welt, beruflich und oftmals auch privat. „Ich war sofort begeistert von der Aufgabe, solche riesigen Pumpen zu warten. Die Verantwortung, dass diese Pumpen zuverlässig Tag und Nacht laufen und somit das Wasser bereitstellen, welches vier Millionen Baden- Württemberger täglich nutzen, ist eine wichtige und sinnvolle Aufgabe.“ Es sind „ seine“ Pumpen geworden und er kennt sie buchstäblich in- und auswendig. In einem Rhythmus von 12 Jahren, was etwa 50.000 Betriebsstunden entspricht, durchläuft jede Pumpe eine Komplettrevision. Das ist notwendig, denn während der Betriebszeit reduziert sich der Wirkungsgrad einer Pumpe, die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Damit steigen die Betriebskosten. Zudem steigt das Risiko eines Pumpenschadens durch Verschleiß. Die Pumpenrevision spart letztlich Energie und erhält die Zuverlässigkeit der Pumpe im laufenden Betrieb. Eine Pumpenrevision bedeutet, dass die Pumpe selbst, der Motor und alle dazugehörigen Armaturen überarbeitet werden. Dazu zerlegen Klaus Wildmann und sein drei Mann starkes Team die Pumpe in einer exakt festgelegten Reihenfolge und bauen die drei Laufräder sowie die 4,5 Meter lange Welle aus. Die Demontage des Motors ist Aufgabe der Elektriker. Beide Teams bekommen Unterstützung von jeweils einem Fachmann der mit der Revision beauftragten Firmen. Ordnung muss sein Die tonnenschweren Einzelteile der Pumpe werden von Tiefladern zur Inspektion und Überarbeitung zum Hersteller, der Firma Voith aus Heidenheim, gebracht. Auch der Motor der Pumpe geht zu einer Fachfirma in Revision. Alle demontierten Kleinteile wie Schrauben, Bolzen oder Leitungen werden sofort systematisch gelagert, damit in einigen Monaten die Remontage reibungslos und fehlerfrei ablaufen kann. Die leere Pumpenhalle hat sich während der Demontage in ein Lager verwandelt. Für den Laien chaotisch, hat jedoch alles seinen Platz. Klaus Wildmann würde jedes Einzelteil mit verbundenen Augen finden. Die Wochen bis zur Rück kehr der Pumpe werden genutzt, um Armaturen zu warten und, falls nötig, auszutauschen. Versorgungsleitungen für Kühlwasser oder Ölleitungen werden einer genauen Kontrolle unterzogen und bei Bedarf erneuert. Wenn die Tieflader mit ihrer Fracht wieder zurückkehren, beginnt die Remontage. Die riesigen Einzelteile werden mit dem Kran in die Halle abgesenkt. Konzentriert und routiniert beginnen die Teams mit dem Wiederaufbau. Das Lager leert sich, die Pumpe wächst zusammen. Der spannendste Moment für alle Beteiligten ist das erste Anfahren der Pumpe. Klaus Wildmann und sein Team haben die Pumpe mit Wasser geflutet und entlüftet, die Elektriker alle Verbindungen wiederhergestellt. Alle warten gespannt auf den ersten Start. In den Gesichtern ist Freude und Stolz zu sehen, wenn das tiefe Brummen zum ersten Mal wieder anschwillt. Die Arbeit ist aber noch nicht getan, es wird noch mehrere Klaus Wildmann kennt sich bestens mit den riesigen Pumpen aus. Testläufe geben, bis alles justiert und optimal eingestellt ist. Klaus Wildmann verlässt seinen Keller und blinzelt in die Abendsonne. Von hier aus kann er den glitzernden See sehen, er freut sich auf den Feierabend. Seit seine Kinder groß und selbständig sind, hat er mehr Zeit für sein Hobby, alte Motorräder. Zuhause muss er nicht in den Keller um seiner Leidenschaft zu frönen. Er schiebt die Maschine in die Abendsonne und setzt sich noch ein wenig auf das Bänkchen, bevor er den Schraubenzieher holt.

Seine Arbeitszeit verbringt Klaus Wildmann überwiegend im Keller...
Quelle: Kristallklar, Magazin der Bodensee-Wasserversorgung (Heft 112 | 2019)